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Liebe Silber-Investoren, ich habe gestern das Buch "Das Ende der Finanzmärkte - und deren Zukunft" von George Soros aus dem Jahr 2008 gelesen. Darin finden sich drei bemerkenswerte Dinge. Die von George Soros vertretene Theorie der Reflexivität wendet er zu Recht auch auf die Politik an. Der Ansatz ist zwar nicht neu, da er in der Wissenschaft in der Vergangenheit als "Neue Politische Ökonomie" Eingang fand, aber er ist brandaktuell und läßt sicher jederzeit an Hand der Aussagen und Handlungen der Politik verifizieren. Seine Reflexivität führt zu dem Schluß, dass politische Absichtserklärungen und politische Aussagen nicht nach ihrem Inhalt, sondern entsprechend der anvisierten Wirkung beurteilt werden müssen. Aus diesem Blickwinkel erhält das Versprechen das Präsidenten der USA eine andere Bedeutung. Es ist ein Mittel, um die staatliche Bonität, Souveränität und den Dollar zu stützen. Denn, niemand kann absehen, was bis zum Jahr 2013 noch passieren wird. Der heute berichtete Wunsch der Citigroup nach einem höheren Staatsanteil zwischen 24 bis 40 Prozent ist nur eine der weiteren Krisenmeldungen, die belegen, dass die Weltwirtschaftskrise noch einige Opfer fordert. Und die Regionen Westeuropa und Amerika sind dabei nicht allein betroffen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) befürchtet beispielsweise 23 Millionen neuer Arbeitsloser in Asien und das Absinken von 140 Millionen Menschen in extreme Armut. Die Reflexivität beinhaltet allerdings auch eine eingebaute Destabilisierung, in diesem Falle eine Verstärkung der Krise durch die Marktteilnehmer. Und gesamtwirtschaftlich werden damit auch Großdemonstrationen, Generalstreiks und eine Zunahme von Kriminalität von Symptomen zu Faktoren bei der Weiterentwicklung der Krise.
Der zweite bermerkenswerte Punkt in dem Buch ist die grundlegende Annahme unvollkommener Information. Auch hierfür finden sich in den vergangenen Wochen und Monaten ausreichende Belege. Doch dies bedeutet, dass die Politik nicht optimal handeln kann - weder Regierungen noch Notenbanken. Immerhin, das hat das neueste Hilfsprogramm des amerikanischen Präsidenten gezeigt, gibt es eine Lernkurve. Die Unterstützung der Hypotheken-Inhaber in den USA verspricht eine höhere Effektivität. Die angekündigte Unterstützung für Opel kann in diesem Zusammenhang auch positiv gesehen werden.
Der dritte bemerkenswerte Punkt ist die Annahme einer geplatzten Superblase. Damit wird die Krise am US-Amerikanischen Immobilienmarkt von der Ursache zu einer Wirkung, denn Soros' Reflexivität definiert auch die Abhängigkeit beider. Dazu würden auch die Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie passen, über die in der vergangenen Woche berichtet wurde. Die Studienergebnisse der Studie "The Economics of Structured Finance" zeigen, dass die "Collaterized Dept Obligations" durch die Kompensation der Einzelrisiken nur noch von Systemrisiken abhingen. Die Autoren der Studie bezeichneten die CDO's als Wette auf die Gesamtwirtschaft.
Der Schluß hieraus, und vergeben Sie mir die zugrundeliegende starke Abstraktion, bedeutet, dass bei der Vermögenssicherung immer auch inhärente Systemrisiken berücksichtigt werden müssen, die vielleicht, dieses Eingeständnis finde ich Soros's Buch ebenfalls bemerkenswert, aufgrund der hohen Komplexität nicht einmal begründet werden können. Und - ich finde die mediale Beurteilung der zunehmenden Nachfrage nach Gold und Silber als "Gier" an dieser Stelle deplaziert - mir sind zur Zeit außer Edelmetallen keine Instrumente bekannt, die für die meisten Menschen effektiv systemische Risiken ausschalten können. Und das hat für mich und sicherlich viele von Ihnen, nichts mit Gier zu tun, sondern mit Notwendigkeit und Verantwortung.
Mit besten Grüßen Hansgeorg Schuster
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