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Liebe Silber-Investoren,
ich habe festgestellt, dass die Flut an Nachrichten dazu verleitet, sich kurzfristig mit Entwicklungen auseinanderzusetzen. Doch wie bei einem
Schachspiel ist die für die Gewinnung des Überblicks investierte Zeit wertvoller, wenn dann werden auch bisher übersehene
Zusammenhaenge klarer. Vor allem wird die Gefahr erheblich geringer, Figuren zu übersehen.
Diese Krise, und das steht schon in
meinen Lehrbüchern zu Makroökonomie, ist ein gutes Beispiel dafür, dass keine volkswirtschaftliche Entwicklung linear
verläuft. Das ist allein schon aus dem Grund nicht möglich, weil die an einer Volkswirtschaft teilnehmenden Subjekte Ihr Verhalten
selten gemeinsam koordinieren. Daher treten in Anpassungsphasen auch gegenläufige Signale auf. Das Casino Wall Street, das eigentlich auch
nur aus zwei oder drei gut laufenden Vertriebsmaschinen besteht, macht wieder Kasse. In Deutschland hat die Wahrnehmung nun auch die
Kreditklemme erreicht, der Protektionismus nimmt an Fahrt auf, zwei kommende Produktionszentren in der Welt ebenso. Und ich möchte nicht
einmal darauf eingehen, wie es deutsche Medien schaffen, das Wort Stabilisierung als Erholung zu verstehen.
Das, was aus meiner Sicht
die Krise zu einer, bis auf zwei Ausnahmen, bilderbuchartigen Wiederholung der letzten grossen Weltwirtschaftskrise werden lässt, ist die
nachhaltige Verhaltensänderung der eigentlichen Wirtschaftssubjekte, der Verbraucher. Nicht nur in den USA, auch in Deutschland ist
Vorsicht angebracht und wird auch gelebt. Sparquoten, Bargeldhaltung sind teilweise enorm angestiegen, während zugleich natürlich
auch das Kreditangebot und die Kreditnachfrage schrumpft. Das ist alles aus meiner Sicht normal. Ebenso normal ist an der Stelle auch, dass der
staatliche Sektor den Nachfrageausfall kompensiert. Es beginnt langsam und schwillt dann immer mehr an, weil, wie schon Milton Friedman es
ausdrückte, die Kur mit der Krankheit verwechselt wird. Selbst die totgesagte Industriepolitik kehrt wieder.
Das Grundproblem,
über das hingegen nicht gesprochen werden darf, weil es eine Katastrophe auslöst, ist die durch den Weltdollar ausgelöste Gefahr
einer Stagflation. Ich finde eine durch Andreas Popp in seinem Buch "Der Währungscountdown" verwendete Formulierung hierzu sehr
eingängig, die ich an dieser Stelle zitieren möchte:
"Das Furchtbare an dieser Stagflation ist, dass die Geldmengenexpansion, die aus den Exporten resultiert, zu steigenden Preisen vor allem bei
Grundnahrungsmitteln, Rohstoffen und Energie führen, während die durch Abschöpfung der Geldmenge verursachte Stagnation
Arbeitslosigkeit und Nachfragestörungen der Binnenwirtschaft verursacht."
Ich habe das Buch nicht vorstellen lassen, weil ich nicht
mit allem einverstanden bin, was Herr Popp geschrieben hat, aber neben der eingängigen Aussage zu Stagflation konnte ich noch folgende
Punkte für mich mitnehmen:
- Wirtschaftswachstum, das statistisch Finanzdienstleistungen aufnimmt, ebnet langfristig den Weg in Spekulationsblasen, die in eine
Liquiditätsfalle führen. - Eine Währung, und da findet sich auch die französische Regierung seit Neuestem wieder, sollte
dem Land entsprechen, in dem sie verwendet wird.
Am Schluss möchte ich Sie noch auf drei Informationen aufmerksam machen, die
für Sie interessant sein könnten. Die erste stammt von Herrn Ackermann, der, wenn auch eingeschränkt, der erste Bankier ist, der
in einem Vortrag auf die eigentliche Krisenursache eingegangen ist: "Wenn die Geldschöpfung zu weit geht, bilden sich Blasen, die dann
korrigiert werden müssen. Das ist eine der Ursachen der Finanzkrise."
Die zweite Information habe ich zum Thema Credit Default
Swaps gefunden. Unter dem Titel "Absicherung gegen Staatspleiten boomt" findet sich folgendes Zitat: "... verwies darauf, dass
Kreditausfallderivate auf die Verbindlichkeiten der großen Industrienationen als "systemische" Absicherung betrachtet
würden."
Diese Aussage ist zugleich auch titelgebend gewesen, denn sie ist einerseits eine gute Teilerklärung, warum die Anleihemärkte so
stabil geblieben sind, und zum anderen beleuchten sie, dass die großen Verkaufsmaschinen alles tun, um das Spiel so weiter zu spielen wis
bisher.
Die dritte Information ist die schönste, selbst wenn diese eine vielleicht Annahme zugrunde liegt. In diesem Monat hat
Frankreich Initiativen zum Aufbau des Bondmarktes in Frankreich angekündigt, der neben Pfandbriefen auch andere Formen von Sicherheiten
zulassen wird. Vielleicht sehen wir bald die ersten edelmetallgedeckten Staats-Anleihen wieder?
In eigener Sache: Ich werde, da ich
langsam wie viele von Ihnen ermüdet bin von den gedeckten Preismanipulationen, werde ich bis auf die Rubrik "Kurs-Charts" nicht mehr
anzeigen lassen. Ich möchte einen "broken benchmark" nicht mehr verwenden. Ich hoffe, Sie haben dafür Verständnis. Ab Montag
finden Sie dort dann auch Kurse in Euro, nicht mehr wie jetzt bei Silber oder Platin in US-Dollar.
Mit besten
Grüßen Hansgeorg Schuster
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