| No-Business-Meetings, beschwörende Presse, Marktregulation, ökonomische Pflasterchen - alles wie gehabt
Die letzten Tage rückblickend betrachtet, stolpere ich wie Sie wieder und wieder ¨ber die üblichen Muster: In der europäische Presse über die USA tauchen vor der Veröffentlichung unangenehmer Wahrheiten immer wieder Presse-Schmankerl auf, die Papier-Edelmetalle werden wie sonst auch kurzfristig billiger getanzt, während die Notenbanken es einerseits wagen, noch immer zu behaupten, Währungsstabilität zu sichern, während Sie zugleich immer grössere Mengen Kreditgeld verteilen. Heutzutage gilt es schon als Währungssicherung, wenn man nicht jeden Monat die Anzahl der über Anleihekäfe geschö:pften Scheine vergrößert. Wow. Ich kann mich erinnern, das zwar sogar vor zwei Jahren noch anders. Heute kann die EZB es einfach so verteilen, eine Großtat den Banken sei Dank und den Banken zum Wohl.
Immerhin, das fiat money, das Sie und ich in Geld tauschen, kann jetzt, das System noch einige Herzschläge erhaltend, auffällig unauffällig durch fiat credit ersetzt werden, ist eh mühselig ständig die störrischen Anleger um Vertrauen bitten zu müssen. Wem soll man was vormachen. ;-)
Alles bleibt im gleichen Takt
"Als-ob-Konferenzen" (no-business-meetings), die schon J.K. Galbraith in seinem Buch "Der Gross Crash 1929" mit "Meetings, Meetings ..." überschrieb, bleiben ebenso an der Tagesordnung wie leere politische Versprechungen, heilpraktische Behandlungen wie Mindestlöhne, monatsweise Verlängerungen von Steuervergünstigungen oder Arbeitslosenunterstützungen für die Masse. Zugleich bleiben die Privilegien der sehr, sehr wenigen unangetastet. Zu guter Letzt finden sich auch wieder beschwörende Publikationen in der Presse wieder.
In den USA - ein noch immer perfektes Beispiel - wird in einem Monat das geschätzte Schaffen einiger tausend Arbeitsplätze, das Absinken der Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe um einige Tausend gefeiert, während gleichzeitig stillschweigend die Zunahme der in Armut lebenden Menschen um Hunderttausende hingenommen wird. Die vormals gefeierten Schätzungen werden in unbeirrbarer Regelmäßigkeit korrigiert. Aber das gibt natürlich keinen Gund, an den aktuellen Schätzungen zu zweifeln. Immerhin finden sich in den USA Zeichen eines Aufschwungs, in Europa die des Abschwungs, wenn auch hauptsächlich in Zeitungsberichten.
Rätselhaft bleibt mir auch, wie Journalisten schreiben können, dass Treasuries noch immer gesucht werden und dabei 20 Mrd. US-Dollar anführen, während sich die USA im gleichen Zeitraum (Q3/2011) mehr als 280 Mrd. USD liehen. Da komme ich mit bloßem Rechnen nicht weiter. Andererseits erklärt dieses Missverhältnis damit zugleich auch die Artikel.
Die Krönung der letzten Tage war für mich die Überschrift "Verschwörung gegen Gold? Unsinn!". In meinem Fall wiegen Aussagen ehemaliger Bankiers mit direkten Beziehungen zum Fed wie beispielsweise des verstorbenen Ferdinand Lips schwerer als die Vermutung eines Journalisten, der für seine Mutmaßungen den Zeitraum von "... vergangene Woche ... " verwendet und noch dazu alles unpassende ausblendet. Wenn es wenigstens als Meinung gekennzeichnet wäre ...
(Sie finden den Hyperlink zu dem Artikel hier.)
Warum spielen wir also alle (betrachten Sie sich als Ausnahme) weiter im gleichen Takt? Weil wir das Grundproblem nicht lösen können?
Das Geld, das wir verwenden, ist über Jahrzehnte hinweg schlecht geworden. Es hat seine Wertaufbewahrungs- und seine Steuerungsfunktion verloren. Überbordende Mengen zerstören die Volkswirtschaften heute wie vor 2.000 Jahren (und das ganz unabhängig von der Steuer- & Staatsquote. Die lag in einem ähnlichen Fall vor 1.700 Jahren bei etwas über 10 %.).
Es hat Ungleichgewichte, Korruption, die Bereicherung Weniger und die Veramung Vieler ermöglicht. Trotz sozialer Auffanglösungen, die nach und nach erodiert werden. (Folgerung: Alle auf Fiat Money aufbauenden Systeme verlieren ihren realen Wert mit dem Wert des verwendeten Geldes.)
Daher hat es auch den Anschein, Arbeit lohne sich nicht mehr. Aber es lohnt sich wohl eher nicht mehr, dieses Geld dafür zu nehmen.
Aber Wertstabilität, Gerechtigkeit und Zukunftsaussichten haben in unserer Gesellschaft einen eigenen Wert, den niemand vernachlässigen darf. Er ässert sich langfristig in Sicherheit. Und abnehmende Sicherheit führt zu steigenden Aufwendungen für jeden einzelnen und zu abnehmender Lebensqualität.
Umsomehr verwundert mich die Elite in den USA. Ein Land mit einer Elite, das nicht verstanden hat, dass seine günstigste Verteidigung nach Innen Sicherung der Lebensqualität seiner Bürger ist.
Das alles wird wohl mit diesem Geld und seiner Verteilung so nicht möglich sein, nicht mehr. Hoffentlich kommt da jemand über die Feiertage zur Besinnung. ;-)
Mit besten Wünschen für die Feiertage
Hansgeorg Schuster
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