| "Die Geschichte eines Kontinents"
Der Finanzkapitalismus hat sich ebenso wenig zwangsläufig entwickelt, wie der Wirtschaftsimperialismus. Immer stehen Menschen im Vordergrund: In einem funktionierenden Wirtschaftssystem ebenso wie in einem bankrotten Staat. Aus Sicht der Redaktion liefert dieses Buch von Eduardo Galeano, das gerade heute mehr als ein Buch über Wirtschaftsgeschichte ist, anschaulich die Faktoren, die überhaupt erst zu der Möglichkeit geführt haben, dass eine globale Finanzhegemonie entstehen konnte. Klar und deutlich tritt vor Augen, dass die ideelle und praktische Basis hierfür nicht amerikanisch sondern britisch ist. Nicht einmal das Produkt spielt eine Rolle, denn egal ob es sich um Platin, Uran, Mangan, Silber, Kupfer oder auch um Mais, Bananen, Kaffee, Zucker, Rindfleisch, Wolle handelt, die Struktur des Freihandels verlangt und bedingt Kapitalallokation ebenso wie vorherrschende Armut und Hunger. In der Vergangenheit konnten nur jene Laünder den negativen Auswirkungen dieser Handelsstruktur trotzen, die ihre Wirtschaften gescützt und genährt haben. Ein starker Markt im Inneren entsteht - und hierfür ist nicht nur Lateinamerika sondern auch Europas Mittelalter Beleg genug, durch eine Mittelschicht, die über genug Realeinkommen und genug Produktivkapital verfügt. Die vollständige Herrschaft einer Oligarchie, welche sich losgelöst vom Rest der Bevölkerung mit dem Großteil des Einkommens und Kapitals bewegen kann, führt ab einem gewissen Punkt zu einem global vagabundierenden Finanzkapitalismus, in dem nicht nur Anlagegelder wandern, sondern, und das ist der zu lernende Punkt, die Produktionsmittel und der Boden! Dabei entstehen Wirtschaften wie in Lateinamerika, Russland oder auch in den USA. Wirtschaften in der Form von Händen, die geben und nicht nehmen. Diese Wirtschaften werden durch Kredite von Außen ernährt. Und sie sind Beleg dafür, das Globalisierung nur Armut globalisiert. Und - unter besonderer Berücksichtigung der USA - ein Beleg dafür, dass ein Land, dessen Mächtige nicht gelernt haben, zu teilen, selbst das reichste Land ruinieren können. Fazit: Ein Buch, dessen Erzählungen spannend vorgebracht werden. Und daneben liefert das Buch wirklich erstaunliche Einblicke in die Situation der Wirtschaft. Wir sind so sehr daran gewöhnt, zu teilen, dass wir uns nicht vorstellen können, dass es Strukturen gibt, Land und Menschen, die nicht teilen können, noch es aktuell müssen, dass wir die Wirtschaft einfach unvollständig betrachten. Und das können Sie mit diesem Buch auflösen. Und dazu passt dieses Zitat innerhalb des Buches, dass allein schon den Kauf wert wäre: "Die Diktaturen verschleiern stets den ökonomischen Charakter der Gewalt und die Demokratien stets den Gewaltcharakter der &Oum;konomie. (Bertolt Brecht, 1940)." Die offenen Adern Lateinamerikas Preis: 16,90 € Verlag: Peter Hammer 2009 ISBN: 978-3-7795-0271-5 >> bei amazon.de |
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